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Die Sage vom Boorstücksmännchen Artikel drucken E-Mail
Sonntag, 13 September 2009

Das Boorstücksmännche

Zu der Zeit, als Herzog Reichhard in Simmern residierte, soll ein Simmerner Bauer namens Rickes in der Gemarkung Bürgerstück, in Richtung Mutterschied gelegen, einen Grenzstein um ein großesn Stück auf den benachbarten, fremden Acker versetzt haben. Der Besitzer dieses Ackers bemerkte es natürlich sofort und ging zum Gericht. Der Grenzstein wurde ausgegraben und tatsächlich fehlten die "Geheimnisse". (*3)

Nun wäre der Rickes eigentlich überführt gewesen, aber er schwor bei Gott, den Grenzstein nicht versetzt zu haben. Man musste ihm glauben und der Grenzstein blieb dort, wo er war. Der Rickes wurde aber von Tag zu Tag stiller und verschlossener, ging nicht mehr zur Kirche und begann zu trinken. Für seine Frau und seine Kinder fand er kein gutes Wort mehr, sondern schimpfte nur noch mit ihnen. Trost suchte die arme Frau oft in der Bibel und las auch den Kindern daraus vor.

Eines Tages las sie aus Sacharja, Kap.5 von dem Fluch, der über alle Diebe kommen soll: Ich will ihn (den Fluch) ausgehen lassen, spricht der Herr Zebaoth, das er kommen soll über das Haus des Diebes und über das Haus dessen, der bei meinem Namen falsch schwört." Als der Rickes das hörte, schrie er laut und rannte aus dem Haus. Die Frau entsetzte sich, aber sie wagte es nicht, ihm zu folgen. Am nächsten Tag fanden spielende Kinder den Rickes erhängt an einem Baum im Bürgerstück in der Nähe seines Ackers.

Seitdem soll er nachts als "Boorstücksmännche" in dieser Gegend umgehen. Manch einer, der sich durch irgendwelche Umstände verspätet hatte, berichtete, dass ihm das "Boorstücksmännche" auf den Rücken gesprungen sei und versucht habe, ihm die Kehle zuzudrücken. Und man sagt, dass er nur von dem erlöst werden kann, der es schafft, das Gespenst, das aber von Schritt zu Schritt schwerer wird, an der Stelle vorbeizutragen, wo einst der Grenzstein stand. Allerdings muss derjenige selbst ganz ohne Fehler sein. Im Hunsrück hat sich bislang noch keiner gefunden, der es vermochte.

(*3) Geheimnisse sind irgendwelche Beweisstücke, die der Landesvermesser und der Steinsetzer unter einen Grenzstein legen. Es können eine bestimmte Anzahl Tonscherben, Quarzsteine oder Metallringe sein.

Aus: Margret Drees, Sagenwelt des Hunsrückraums
Preis: 21.50 €
Erscheinungsdatum: 23. August 2007, Auflage: 2
Anzahl Seiten: 304
ISBN-10: 3922929931
ISBN-13: 978-3922929932

erhältlich im
Rumpelstilzchen
Bingener Str. 11
55469 Simmern
Tel. 06761 917926
www.rumpelstilzchen-simmern.de

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